|
Aus dem Brief einer Patientin der Hufelandklinik Bad Mergentheim (für ganzheitliche immunbiologische Krebstherapie)
Dankeschön dafür, dass ich gelernt habe, mit einem veränderten Leben zurechtzukommen, ja mein verändertes Leben zu lieben; Dinge als unwichtig zu betrachten, die mir vorher so wichtig waren, dafür aber zu sehen, wo ich vorher fast mit Blindheit geschlagen war. Kein Gesunder kann sich vorstellen, welches Glück mich überkommt, wenn ich diese Kräfte wirklich spüre, wenn ich Beweise dafür bekomme, wie mein Wille gute und ungute Gedanken beeinflussen kann. Ich will mich nicht verschließen gegen Kummer, Leid, Not, Schmerz und Ärger in welcher Form auch immer -aber ich versuche immer wieder, alles Negative in Grenzen zu halten. Ich habe praktisch einen Zaun gezogen um mein Allerinnerstes, einen Garten mit den schönsten Blumen und ein ganz klein bisschen Unkraut. Und in diesen Garten darf nichts eindringen, was das Unkraut zum Wachsen bringen könnte - bis zum Zaun und nicht weiter! Ich hätte es früher nicht für möglich gehalten, aber dieser Weg ist gangbar. Früher konnte bei mir alles wuchern; die guten und die weniger guten Gefühle konnten Ausmaße annehmen, die meinem Willen nicht unterworfen waren. Erst durch die Krankheit habe ich gelernt, dass dieser Überschwang - und oft damit verbundene Qual - nicht sein muss. Von mir allein hängt es ab, wie weit sich ein Gefühl entfalten darf, wie weit es nach innen gelangen und wirksam werden kann. Wie oft habe ich in einer unguten Situation feststellen können: Jetzt sorge ich mich so sehr oder ich ängstige mich. Froh bin ich also gerade nicht, und doch auf einmal glücklich, denn ich spüre genau, mein schöner Garten in meinem Inneren ist nicht betroffen. Er bleibt mir trotz allem und gibt mir die Geduld und Gelassenheit oder auch das Verständnis, was mir hilft, anfallende Probleme mit relativ wenig Kraftaufwand zu lösen. Dafür habe ich Kräfte frei für mich selber, und ich frage mich manchmal, ob dies wohl der gesunde Egoismus ist, über den wir ab und zu gesprochen haben?
Hildegunde Wöller ANKUNFT IN GEWANDELTEM LEBEN Pfingsten als Symbol des Ausgangs aus dem Labyrinth Vortrag bei der Pfingsttagung "LABYRINTH UND INITIATION" am 18. Mai 2002 in Tauberbischofsheim
|